8. Dummheit als Kampfbegriff

So sehr man Flaubert recht geben will, so sehr man allen recht geben will, die darüber klagen, wie schwachsinnig denn alles geworden ist – Medien, Politik, Wirtschaft – so sehr muss man aufpassen, nicht in die Falle zu tappen, in die alle Dummköpfe stets hineinplumpsen: nämlich jene, die Fehler immer nur bei den anderen zu suchen. Auch das ist so eine perfide List der Dummheit. Dass sie im Übermaß vorhanden ist, da sind sich alle einig. Aber ebenso einig sind sich alle, dass sie selbst nicht zu den Dummen gehören. Wenn aber jeder von sich behauptet, klug zu sein, wo verstecken sich dann die Geistlosen?

Vor allem im öffentlichen Diskurs wird „Dummheit“ gerne als Totschlagargument eingesetzt. Die eigene Meinung ist richtig, logisch, klug. Die anderen hingegen sind bloß Schwachköpfe, weil sie die einfachen Wahrheiten nicht erkennen wollen; dass Gewerkschaften das Wachstum gefährden (oder es erst ermöglichen), die Globalisierung gut (oder schlecht) und dieser Weg (oder jener) der einzig richtige (oder falsche) ist. Ich gescheit, du blöd. Ende der Diskussion.

Quelle:
Ich bin doch nicht blöd!
Eliteuniversitäten, Lesen, Schreiben und Rechnen schon für Dreijährige sind die Schlagworte der Stunde – Der Unverstand? Wird ignoriert.
Was daran liegen mag, dass ihm auch Bildung nichts anhaben kann. Eine Exkursion in die Welt der Dummheit in 10 Schritten von Gerhard Pretting.
(ALBUM – DER STANDARD, Printausgabe, 16./17.5.2009)

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