3. Der Kampf gegen die Dummheit

Seit der Aufklärung wird der Kampf gegen die Dummheit mit allen Mitteln gefochten. Keine Politikeransprache, kein Zukunftspapier, keine Sonntagsrede kommt heute ohne Hinweise darauf aus, wie wichtig es ist, Bildung und Forschung zu forcieren. Die Dummheit muss eliminiert werden. Koste es, was es wolle! Auch aus der Sprache und aus dem Bewusstsein soll sie verschwinden. Deshalb ist heute im offiziellen Sprachgebrauch niemand mehr dumm, sondern arm, behindert, oder ein Opfer der Umstände. Nichts, was durch Förderung, schulische Betreuung und ein bisschen guten Willen nicht behoben werden könnte. Aber seltsam: Je härter und verbissener dieser Kampf geführt wird, desto mehr breitet sich die Dummheit aus.

Was aber heißt das für das Bildungssystem? Zuerst einmal sollte die Dummheit nicht als Unfall angesehen werden, als etwas, das es mit allen Mitteln zu eliminieren gilt. Ein Bildungssystem, das Schüler drillt, nur ja keine Fehler zu machen, und jede Abweichung sanktioniert, wird der Dummheit jedenfalls keinen Einhalt gebieten können. Denn je verbissener man sie bekämpft, desto eher wird man ihr Opfer. Was nottut, ist eine gesellschaftliche Fehlertoleranz. Besser kreativ irren, als stur darauf achten, nur ja nichts falsch zu machen. Gerade in einer Zeit, in der der permanente Wandel zum Alltag gehört, muss man vieles probieren, an manchem scheitern und die eine oder andere Dummheit begehen.

Quelle:
Ich bin doch nicht blöd!
Eliteuniversitäten, Lesen, Schreiben und Rechnen schon für Dreijährige sind die Schlagworte der Stunde – Der Unverstand? Wird ignoriert.
Was daran liegen mag, dass ihm auch Bildung nichts anhaben kann. Eine Exkursion in die Welt der Dummheit in 10 Schritten von Gerhard Pretting.
(ALBUM – DER STANDARD, Printausgabe, 16./17.5.2009)

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